Die Geschichte des Esoterischen Christentums Teil III

 

Wie wir im Rahmen unserer letzten Vorträgen dargelegt haben, gibt es eine geheime Unterweisung, die von Jesus Christus direkt an die Apostel und deren Nachfolger überging. Der Erlöser selbst sprach öffentlich nur in Gleichnissen und erklärte die Auslegung seiner Worte im engeren Kreis seiner Jünger. So finden wir im Urchristentum noch einige unverfälschte Lehren und deren geheime Auslegung, die uns die Kirchenväter in ihren nahezu vergessenen Werken hinterlassen haben. Ihre „esoterischen“ Erklärungen behandeln auch so spannende und immer aktuelle Themen, wie die Unsterblichkeit der Seele, die Umwandlung des Bewusstseins, die Reise der Seele ins Jenseits und das Mysterium des Todes und der Auferstehung.

 

„die Unsterblichkeit der Seele“

V 8 LA DIALETTICA

„Wer sind wir? Warum leben wir? Wohin gehen wir? Woher kommen wir? Haben wir eine Seele, welche die Auflösung des Körpers überlebt oder stirbt sie mit diesem? Gibt es nach dem gegenwärtigen Leben ein anderes? Wird es besser oder schlechter sein als dieses? Gibt es über uns einen Gott, der uns sieht, der liebevoll und fordernd über uns wacht, dem wir für alles Rechenschaft ablegen müssen, für Gedanken, Worte und Taten? Gibt es eine Belohnung für denjenigen, der Gutes tut und eine Bestrafung für den, der Schlechtes verübt? Gibt es einen logischen Grund dafür, dass jemand in Armut und Krankheit, ohne Zuwendung und Beistand leidet, oder besteht einzig und allein die in Bewegung befindliche Materie mit ihrer unabwendbaren Dialektik und das trostlose ewige Werden ohne Finalität?“ Dies ist der quälende Gedanke, der im Hinterhalt in der Tiefe des Bewusstseins eines jeden lauert und mit seiner ganzen rätselhaften Gespensterhaftigkeit in den Augenblicken der Verzagtheit, der Einsamkeit, des Schmerzes oder angesichts des Todesdramas auftaucht.

Wer glaubt, sagt sich: Der Mensch als geistiges Wesen kommt von Gott und kehrt zu Ihm zurück; er kehrt jedoch qualitativ verändert in Weisheit und Liebe zurück, wenn er auf das Wort des Allmächtigen hört. Wer glaubt, sagt auch, dass der eigensinnig in Unwissenheit und Boshaftigkeit Verharrende den Weg zurück verliert, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen. Daher ist die Frage: „Woher kommt der Mensch und wohin geht er?“ ein längst gelöstes Problem für die Gläubigen, jedoch nicht für alle. Denn der Glaube allein reicht nicht aus, wenn man zur Wissenschaft und Technologie tendiert oder zu all dem, was mit Messungen und mit objektiven, konkreten und greifbaren Beweisen zu tun hat.

 

Montag, 4. November 2013 um 20.30 Uhr, Eintritt frei

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„der Wächter an der Schwelle des Mysteriums“

V 10 DRACO MAGNUS

Der Weg der Evolution ist das Wachsen in Heiligkeit, das Fortschreiten in Weisheit, Liebe und Gnade. So wie das Saatkorn, das in guter Erde unter der Einwirkung von Sonne und Wassers zu quellen und zu keimen anfängt, das dann zu einem Grashalm und dann eine mit der Zeit reifende Ähre wird – oder wie der Mensch, der zunächst ein Embryo ist, dann ein Neugeborenes, Kind, Jugendlicher und Erwachsener –  genauso gibt es auf dem Weg der Evolution das Wachstum in Gott als Individuen und als Mitglieder seiner Ekklesia. Dieser evolutionäre Weg ist das ständige „Sichumwandeln“ von Tugend zu Tugend, bis zur mystischen Vereinigung mit Gott und noch darüber hinaus, bis zur vergöttlichenden Umwandlung gemäß dem Initiatischen Prozess.

Jede Person, der wir auf unserem Weg begegnen, ist ein gleichsam ein Wanderer, der von weither kommt und weit geht, angetrieben durch das Gesetz der Evolution, das das Universum und seine Bewohner regiert. Von Stufe zu Stufe steigt die Menschheit zu den Göttlichen Energien auf.

Das christliche Ideal kennt keine Grenzen der Vollkommenheit, und die Göttliche Vorsehung, die Göttliche Liebe lassen durch die Erscheinungen der Wächter verstehen, an welchem Punkt der Vollkommenheit wir angekommen sind.

Montag, 18. November 2013 um 20.30h, Eintritt frei

 

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simbolo kulturcafé „Das Christliche Totenbuch“

Es gibt zwei sehr alte Texte, die von der Seelenreise des Verstorbenen ins Jenseits erzählen. Es handelt sich um das Buch vom „Heraustreten in das Licht des Tages“, besser bekannt als das Ägyptische Totenbuch“, und das „Bardo Thödol“ oder Tibetanische Totenbuch“. Aber es gibt auch neuere Beschreibungen von den Erfahrungen im Jenseits, von seinem Aufbau, und den Proben, die die Seele bestehen muss. Die vielleicht neueste Schrift hat der Gründer der Archeosophie, Tommaso Palamidessi verfasst. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen erklärt er im Christlichen Totenbuch die Welt des Jenseits, in die wir nach unserem physischen Tod eintreten und die asketischen Mittel, mit denen man den Tod besiegen und den „Siegeskranz“ erlangen kann.ägyptischestotengericht

Schon die alten Mysterienschulen und Plutarch sprechen von einem zweifachen Tod: der Verstorbene würde nach einem Herumirren und Bezahlen im Jenseits einen Zweiten Tod erleiden, die Trennung des Geistes von der Seele, beide würden von ihrem Element wieder absorbiert und die Persönlichkeit des Verstorbenen verschwinden. Was hat es auf sich mit diesem „Zweiten Tod“, der von den Schriften angekündigt wird und die Seelen der „Verdammten“ beim „Letzten Gericht“ ereilt?

Michael-juengstes_GerichtIn der Offenbarung des Ezechiel heißt es: „Die Seele, die sündigt, wird sterben“. Jesus sagt im Neuen Testament noch etwas mehr: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können; fürchtet vielmehr den, der euch Seele und Leib in der Gehenna verlieren lassen kann„. Christus spricht nicht von Sheol oder Hades, sondern von Gehenna, was zwei verschiedene Dinge sind. Im Hades oder Sheol überlebt die Seele mit dem Geist, aber in der Gehenna ist die Seele von ihrem Geist entblößt und der Zerstörung bestimmt. Diese Mahnung bezieht sich nicht auf die Zeit eines zukünftigen Endgerichts, sondern auf den eschatologischen „Zweiten Tod“. Noch andere Stellen beziehen sich auf dieses individuelle und kollektive Ereignis.

 

Bardo Thödöl

Das Christliche Totenbuches enthält viele Informationen, die uns erlauben, die Kenntnisse der ägyptischen und tibetanischen Tradition ins rechte Licht zu rücken. Denn auch wenn diese Völker einen beträchtlichen Beitrag auf der Suche nach der Wahrheit über das Leben nach dem Tode geleistet haben, sind ihre Vorstellungen, wie man den Tod im Jenseits besiegen kann, zum größten Teil illusorisch. Das Gesetz des Karma, der Gerechtigkeit und Wiedervergeltung, das auf der absoluten Moral basiert, kann man nicht durch eine magische Praxis betrügen. Das universale Gesetz von Ursache und Wirkung umgehen zu wollen ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Letztendlich müssen wir alle Rechenschaft ablegen, für das was wir sind.

 

 

Sonntag, 24. November 2013 um 16.00 Uhr, Unkostenbeitrag 5 Euro

 

080-A-San Michele