Das Totenbuch der Ägypter ist vielleicht das einzige Dokument, das über 5000 Jahre hinweg erhalten geblieben ist, und sein Inhalt geht auf vier unterschiedliche Zeiten in den ägyptischen Dynastien zurück. Die Ägypter selbst nannten es „Das Buch des Heraustretens in den Tag“. Dieser Titel lässt schon verstehen, wie die Ägypter den Tod aufgefasst haben, als das Betreten neuer Räume, die wir vielleicht eher mit der Nacht vergleichen würden, für die Ägypter ging es aber um die Suche nach dem Licht der Sonne Ra, um sich mit ihm zu verbinden, einen Zustand der Erleuchtung zu erlangen und ewig zu leben.

Clemens von Alexandrien bezeichnete den Inhalt dieses Buches als hermetisch, weil der Hieroglyphentext verschlüsselte Weisheiten über die Schöpfung der Welt, über den Schöpfergott und die von ihm ausgeströmten Gottheiten enthalte, über den Tod spreche und die Beschaffenheit des Jenseits, über die Gefahren im Reich der Verstorbenen und vor allem über Riten und magische Worte.

Die Ägypter wussten, dass es von der Lebensführung im Diesseits abhing, was ihnen im Jenseits wiederfährt, dementsprechend richteten sie ihr ganzes Leben auf den Tod hin aus. Die Priester in den Tempeln, die den hermetischen Inhalt des Totenbuches zu entschlüsseln wussten, waren sich sicher, dass die Vereinigung mit der Gottheit und das ewige Leben nur sicher gestellt werden konnten, wenn die Erfahrung des Todes, die Überwindung der Proben, die Umwandlung in einen sonnenhaften Zustand, im Rahmen der Mysterien nach einer intensiven Vorbereitung vor dem eigentlichen Ableben gemacht wurden.

Bei geheimen Operationen wurden die Eingeweihten von den Priestern mittels des Totenbuches geleitet und unterstützt. Von Plutarch wird bestätigt, dass die Seele im Moment des Todes den gleichen Eindrücken unterliegt, wie jene, die an den großen Initiationen teilnehmen“ und Boris de Rachewiltz äußert sagt: „die Verwirklichung des Zustandes von „Akh“ auf der Erde, der Sieg als Lebende über den Tod, ist im Grundsatz die Zielsetzung der Mysterien.“ Diese Erfahrung war in den Anfangszeiten ausschließlich dem Pharao vorbehalten, später auch wenigen ausgewählten und gut vorbereiteten Kandidaten.

Montag, 23. Mai 2016, 20.00h bei uns in der Münsterstrasse

Eintritt frei